NORMANDIE - Frankreichs Norden
Die Küsten der Normandie bestechen im Norden durch die bis zu 110 m hohen Kreidefelsen der Alabasterküste, die nahezu senkrecht ins Meer stürzen. Besonders Étrétat mit seinen Felstoren und -türmen ist jedem Frankreich-Reisenden ein Begriff. Südwestlich von Le Havre und dem malerischen Honfleur auf der anderen Seite der Seine-Mündung schließen sich kilometerlange Sandstrände an, zu denen die Landungsstrände der Alliierten Invasion von 1944 ebenso gehören wie berühmte Seebäder wie Deauville und Cabourg. Der Norden der weniger bekannten, westlich anschließenden Halbinsel Cotentin ist geprägt durch wilde Felslandschaften und bezaubernde kleine (Barfleur, Saint-Vaast-la-Hougue) und größere (Cherbourg) Hafenstädte. Im Westen der Halbinsel wechseln sich lange Sandstrände mit ausgedehnten sandigen Flussmündungen und aussichtsreichen felsigen Kaps ab, auf denen z.B. der Leuchtturm von Carteret und die imposante Altstadt von Granville trohnen. Aber auch im Hinterland finden sich sehenswerte Provinzstädte und Abteien. Die Bucht von Mont-Saint-Michel bildet schließlich die Grenze zur Bretagne. Der weltberühmte Klosterberg in der gigantischen flachen Bucht gehört zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Frankreichs. Hier wie auch an den anderen Küsten der Normandie und Bretagne prägen Ebbe und Flut die Landschaft und das Leben: der hohe Tidenhub von bis zu 16 m verleiht der Küste mehrmals am Tag ein anderes Gesicht, und Liebhaber von Fisch, Hummer, Austern und anderen Muscheln kommen ganz auf ihre Kosten. Hinter der Küste grasen die bunten Kühe, deren Milch die Basis für eine Vielfalt von hervorragenden Käsesorten ist, und im grünen Hinterland reifen Äpfel und Birnen heran für Cidre, Calvados und Poiré.
Seit der Invasion der „Nordmänner“ (Wikinger) vor mehr als 1200 Jahren hat die Normandie eine sehr bewegte Geschichte. Viele großartige Baudenkmäler, insbesondere Kathedralen und Klöster, in der lebenswerten normannischen Hauptstadt Rouen und Städten wie Caen, Bayeux, Dieppe und Fécamp erinnern noch heute an die Blütezeit der normannischen Kultur und Seefahrt.
Die „Nordmänner“ kamen ab dem 9. Jahrhundert als Horden räuberischer, heidnischer Wikinger, die mit ihren Drachenbooten immer wieder die Küste überfielen und über die Flüsse bis weit ins Landesinnere vordrangen. Der König des Westfrankenreichs machte sie schließlich 911 zu Beschützern und zu Herzögen der Region, die heute ihren Namen trägt. Sie ließen sich taufen, vermischten sich mit der ansässigen Bevölkerung, übernahmen alles Nützliche aus deren Kultur, bauten Kirchen, Burgen und Häfen und gründeten viele Klöster, um ihr christliches Seelenheil zu retten. Denn kriegerisch waren sie noch immer, und mit der Invasion und Eroberung Englands durch Wilhelm I., genannt „der Eroberer“, 1066 in der Schlacht von Hastings wurden die Herzöge der Normandie zusätzlich zu Königen von England. Unter der Herrschaft von König Henry II. Plantagenet (1154-1189), erreichte das Normannische Reich seine größte Ausdehnung, um nach dem Tod seines Sohnes Richard II. (genannt Löwenherz), in wenigen Jahrzehnten sämtliche Gebiete im heutigen Frankreich zu verlieren.
An der Küste der Normandie fallen dem Reisenden heute eher die traurigen Zeugnisse der jüngeren Vergangenheit ins Auge. Neben den Landungsstränden der Alliierten Invasion 1944 finden sich auch an vielen anderen Stellen Reste von Bunkern und Verteidigungsanlagen des Atlantikwalls der deutschen Besatzer, die nach dem Krieg z.T. in Gedenkstätten und Museen umgewandelt wurden. Gedenktafeln und Fotos erinnern an die Gräueltaten der nationalsozialistischen Besatzung und die Zerstörungen, die der 2. Weltkrieg fast überall hinterlassen hat.
Besonders als Reisender aus Deutschland kann man sich diesem Aspekt der normannischen Geschichte emotional kaum entziehen.
Die landschaftliche, kulturelle und kulinarische Vielfalt der Region machen die Normandie heute jedoch zu einem wunderbaren Reiseziel, für das man sich genügend Zeit nehmen sollte, denn die Normandie bietet so viel mehr als „Alabasterküste und Mont-Saint-Michel“.
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